Studie: Auslandssemester, ich komme

Die Anzahl der deutschen Auslandsstudenten hat sich zwischen 2000 und 2008 verdoppelt – Deutschland liegt nun hinter China, Indien und Südkorea auf Platz vier.

Deutsche Studenten sind reisewillig wie nie zuvor. Das belegt die aktuelle Gemeinschaftsstudie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), des Hochschul-Informations-Systems (HIS) und des Deutschen Studentenwerks (DSW). Basierend  auf der 19. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks wurden zahlreiche Studierende im Sommer 2009 auf ihre wirtschaftliche und soziale Lage hin befragt.

Das Ergebnis: deutsche Studenten zieht es ins Ausland. 75% der im Ausland Studierenden werden dabei von den Eltern unterstützt. Über die Hälfte arbeitet allerdings auch vor oder während des Aufenthalts im Ausland für ihren Traum vom Studium im Ausland. Auch das Auslands-Bafög hat die Mobilität der Studenten noch erhöht – und ca. 60% haben Glück und finanzieren sich über ein Stipendium.

Beliebte Ziele sind dabei Spanien, Frankreich und das Vereinigte Königreich: 15% aller Studierenden haben eine Auslandsaufenthalt hinter sich. Hierbei gelten sowohl Praktika als auch Semesteraufenthalte, Studentinnen sind allgemein reisefreudiger als ihre männlichen Kommilitonen. Jedoch wirkt sich die Studienart nicht auf das Fernweh aus: Bachelor oder Diplom, raus wollen alle.

Was jedoch ausschlaggebend ist, ist die soziale Herkunft. Kinder bildungsferner Eltern sind insgesamt weniger reiseaffin als Kinder aus hochschulnahen, einkommensstarken Familien.

Der Reisefluss fließt allerdings auch umgekehrt. Immer mehr ausländische Studierende immatrikulieren sich an deutschen Hochschulen. Ihre Zahl stieg von 1997 bis 2008 von 100.033 auf 245.522. Damit belegt Deutschland hinter den USA und Großbritannien weltweit den dritten Platz.

Die Gründe für ein Studium in Deutschland sind so verschieden wie die Herkunft der Studenten: von kulturellem Interesse bis zur Sprachspezialisierung, von Vertiefung der Fachkenntnisse bis zur Hoffnung auf einen späteren Arbeitsplatz vor Ort sind die unterschiedlichsten Motive Anreiz für ein Studium in Deutschland. Besonders junge Menschen aus Schwellen- und Entwicklungsländern sowie Osteuropa sind an einem Studium in Deutschland interessiert. Die meisten von ihnen stammen aus China, gefolgt von Russland, Polen, Bulgarien und der Türkei. Auch bei ihnen sind Eltern, eigene Arbeit und Stipendien die Hauptfinanzierungsquellen. Was am meisten bemängelt wird von internationalen Studenten in Deutschland: fehlender Anschluss und ein schwer zu durchschauendes Studiensystem. Wer also selber nicht weg mag oder kann, der guckt einfach auf dem eigenen, deutschen Campus nach verwirrt wirkenden Kommilitonen. Vielleicht ist es ja ein Internationaler – und schon hat man die Welt bei sich daheim!

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