Auswendig lernen macht erfolgreich

Auswendiglerner werden gerne still belächelt: die machen sich doch keine Gedanken, die sind nicht fähig, zu transferieren, heißt es oft. Laut einer neuen Studie ist auswendig lernen aber doch nicht so schlecht…

‚Beständiges unwillkürliches Lernen ist Sache des Genies‘ -Dieses Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach bestätigt eine weit verbreitete Ansicht: nebenher lernen oder auch eigene Theorien zu Lerninhalten bilden ist besser, weil zum Genie führend, als das verpönte Auswendiglernen. Sowohl Frau von Ebner-Eschenbach als auch die breite Bevölkerung müssen nun wohl ihre Ansichten revidieren: Laut der Studie von Jeffrey Karpicke und Janell Blunt von der Purdue-Universität in West Lafayette, ist Auswendiglernen der Pfad zum Erfolg. Mehrere Studenten zeigten hier, dass schlichtes mehrmaliges Lesen und schriftliches Wiedergeben eines Fachtextes besser für den Lernerfolg war als das Entwickeln von eigenen Thesen und Zusammenfassen von Hintergründen des Textes. Überragende 84% der Studenten schnitten dabei mit der Methode des Auswendiglernens besser ab als ihre Kommilitonen, die sich für ein strukturiertes Lernen anhand eigener Skizzen entschieden. Karpicke und Blunt beweisen durch diese Studie, dass Lerninhalte in Kategorien abgespeichert werden und nicht etwa die eigenen Gedanken die Basis für eine erfolgreiche Wiedergabe von bestehendem Wissen ist, sondern schlicht die zugrunde liegenden, auswendig gelernten Fakten. Diese werden zu Beginn des Lernprozesses in unterschiedliche Kategorien unterteilt, welche bei jedem Auswendiglernen überprüft und verfeinert werden. So werden gelernte Daten schneller abrufbar und können auch besser neu vernetzt werden: Transferaufgaben wurden von den „Auswendiglernern“ ebenfalls schneller und besser umgesetzt.

Der entscheidende Unterschied zwischen den unterschiedlichen Methoden liegt in der Art des Gehirns, neue Nervenzellenverbindungen zu knüpfen: während das strukturierte Lernen anhand eigener Unterlagen die Zahl der Querverbindungen, also der gespeicherten Zusammenhänge vergrößert, wird beim Auswendiglernen das Wiederfinden von Kategorien verbessert. Je öfter ein Student also auswendig lernt, desto feiner werden die Kategorien im Gehirn und desto schneller wird er gelernte Inhalte wiedergeben und gegebenenfalls transferieren können.