Studie: Studiengebühren – besser als ihr Ruf?

Mit der Einführung von Studiengebühren erhob sich eine Welle des Protests. Die Kritik: es würden weniger Schulabgänger ein Studium beginnen. Eine aktuelle Studie zeigt  das Gegenteil auf.

Forscher des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung haben in einer breit angelegten Studie untersucht, ob es seit Einführung der Studiengebühren wirklich weniger Studienanfänger gibt als vor deren Einführung.
Da nicht in allen Bundesländern Studiengebühren erhoben werden, war es möglich die Bundesländer mit Studiengebühren und die Bundesländer ohne Studiengebühren direkt gegenüberzustellen. Das überraschende Ergebnis: in den Bundesländern mit Studiengebühren gab es – anders als vermutet – nicht weniger Studienanfänger als vor Einführung der Gebühren. Der häufig benannte Kritikpunkt, dass Studiengebühren einen negativen Einfluss auf die Anzahl der potentiellen Studienanfänger haben, wird dadurch widerlegt. Allerdings erwarten die Studenten für ihre Studiengebühren auch eine entsprechende Gegenleistung: eine höhere Qualität des Studiums  etwa, oder  anschließend bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Solange die potentiellen Erstsemestler von diesen Faktoren ausgehen, sind sie auch bereit, Studiengebühren zu zahlen. Die Autoren der Studie erklären dieses Verhalten mit der sogenannten “Rational-Choice-Theorie”. Demnach entscheiden sich die Schulabgänger für die Variante mit dem größten Nutzen, im vorliegenden Fall also für das qualitativ hochwertigere Studium, bessere Arbeitsmarktchancen und zukünftig höhere Einkommensverhältnisse.
Weiterer Kritikpunkt der Gegner von Studiengebühren war die Studienfinanzierung für einkommensschwache Familien. Mit der Einführung des Studienkredites wurde hierfür eine Lösung geschaffen. Dieser muss natürlich gleichwohl zurückgezahlt werden, allerdings zeigte die Studie, dass gerade Studenten aus einkommensschwächeren Familien ihre zukünftigen Ertragschancen sehr hoch einschätzen.
In Großbritannien sind die Studiengebühren bereits jetzt um einiges höher – ca. 10.000 € pro Jahr. Würden auch in Deutschland die Studiengebühren steigen, müsste man anhand der Studie davon ausgehen, dass ausschließlich elitäre Studenten ausgebildet werden würden, da die Qualität des Studiums dann entsprechend ebenso weiter steigen müsste. Realität oder Phantasie?