Berufseinstieg: Langeweile statt Pole Position

Gerade Berufseinsteiger leiden häufig unter Bore-out: sie sind schlichtweg unterfordert an ihrem Arbeitsplatz. Ganze 56% sagen über ihren Job, dass er sie nicht ausfüllt, dass ihre Leistungsbereitschaft folglich höher ist als die Arbeit erfordert. Bore-out Kandidaten strecken in solchen Fällen die Arbeit, die ihnen zugeteilt ist, auf einen unnötig langen Zeitraum, um nicht unbeschäftigt zu sein. Oft erledigen sie private Dinge während der Arbeitszeit, um diese zu füllen. Während dies vielleicht nach Faulheit klingt, sind die Symptome jedoch eher das Gegenteil: in einer Gesellschaft, in der es wenige offene Stellen gibt, gibt niemand gerne zu, dass seine Arbeit ihn langweilt, nicht effektiv ist oder vielleicht sogar unterfordert. Die Strategien werden also immer ausgefeilter: Man switcht mit einer Tastenkombination den privaten Bildschirm weg und dann kommt die Excel-Tabelle wieder hervor. Man nimmt stapelweise Material mit in Sitzungen, man verteilt die Arbeit auf eine längere Zeit. Man kommt morgens früh und geht abends spät. Würde man abends früh gehen, wäre das zu offensichtlich. So denken dann auch die Kollegen, dass man ganz schön viel zu tun hat.

Gefährlich daran ist der Stress, der entsteht, wenn Arbeit vorgetäuscht werden muss. Das Gefühl, nicht gebraucht zu werden und auch Stunden überbrücken zu müssen, führt zu Erschöpfung.

Doch was tun, wenn man selber unter Bore-out leidet? Nach mehr Arbeit fragen? Laut Statistik hat dies ein Großteil der Betroffenen bereits getan – und ist gescheitert. Bore-out entsteht nämlich nicht zuletzt aufgrund schlechter Führungsqualitäten: meist ist schlicht nicht mehr Arbeit da. Übertriebene Stellenbeschreibungen führen ebenso zu diesem Phänomen wie eine Jobwahl aus den falschen Gründen. Wenn für eine Stelle eine mehrjährige Berufserfahrung, diverse Fortbildungen und Fremdsprachenkenntnisse gefordert werden, sind die Erwartungen an die Arbeit dementsprechend hoch. Oft wird aber eine derartige Führungsperson nicht benötigt, der neu Eingestellte ist also überqualifiziert und rutscht in die Langeweile-Spirale.

Was ist zu tun, wenn Bore-out schon um sich gegriffen hat?  Neue Anreize schaffen ist das Motto. Arbeitsrhythmen wenn nötig unterbrechen, neue Projekte hinzunehmen – und wenn alles nichts hilft, den Job wechseln. Bore-out entsteht oft auch, wenn die Arbeit nicht zum Arbeitenden passt. Als Worst-Case-Szenario bleibt dann nur noch eine Umschulung.