Karrierefaktor Social Learning

Ein Ehrenamt ist fast schon genauso obligatorisch fürs Studium wie der Auslandsaufenthalt. Möglichkeiten, sich einzubringen, gibt es viele. Wer sich intensiv engagiert, punktet entsprechend beim Jobstart…

 

Das Studium kann zu den wertvollsten Erfahrungen im Leben werden, wenn man nicht nur sehr viel Wissen erwirbt, sondern auch begreift, dass es neben einem guten Job auch noch andere Werte im Leben gibt. Schließlich gehen die ganz persönlichen Träume und Wünsche am Ende doch nur in Erfüllung, wenn man selbst Initiative ergreift.  Und genau das erkennen bzw. entdecken erfreulicherweise immer mehr Studierende für sich. Auch wenn viel über die  hohe Belastung im Bachelor Studium geklagt wird, entwickelt sich derzeit offenbar eine ganz neue Aktivkultur an deutschen Universitäten. Während es früher fast nur politische Initiativen an den Hochschulen gab, initiieren Studierende heute unterschiedlichste Projekte, um ihre Interessen Gehör zu verschaffen bzw. den Hochschulbetrieb ein Stück weit mitzugestalten. Von Umwelt schonenden Nachhaltigkeitsaspekten bis zur Nachhilfe für Kinder aus sozialschwachen Milieus ist alles dabei. Social Learning ist somit ohne es vielleicht zu merken zum festen Bestandteil des Studiums geworden. Das Studentenwerk  hat sogar den Wettbewerb ‚Studierende für Studierende‘ etabliert, um die Gründung von Studenteninitiativen weiter zu forcieren.
Die Koordination von Studium und Nebenjob mag noch so stressig sein, für ein Ehrenamt bleibt immer noch ein bisschen Zeit. So ganz aus reiner Nächstenliebe geschieht dies jedoch nun auch wieder nicht.  Denn das Projektengagement sorgt nicht nur für ein gutes Gewissen, sondern auch für Pluspunkte im Lebenslauf.  Potentielle Arbeitgeber schauen nämlich heute mehr denn je auf die Soft Skills der Bewerber und das wissen die Studierenden natürlich. Aufgrund der Homogenität der Lebensläufe bleibt den Personalern fast nur noch der Blick auf das soziale Engagement, um  ein Quäntchen Individuelles über den Bewerber zu erfahren.  Soziales Engagement wird also zum wichtigen Hebel, um  sich zu profilieren und aus den Bewerbermassen herauszustechen.  Das gelingt natürlich nur, solange man auch wirklich hinter seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten steht und dies auch entsprechend engagiert rüberbringt.
Es wäre dennoch sicher zu kurz gesprungen, das studentische Engagement auf puren Eigennutz zu reduzieren. Viele junge Menschen möchten sich tatsächlich aktiv einbringen und finden so zu ihrer Berufung und damit zu sich selbst. Ihre Unterstützung ist wertvoll, nicht nur für Krankenhäuser oder Altenheime, sondern auch für manch verkrusteten Hochschulapparat. Was kann man sich als Hochschule schon mehr wünschen als ein wenig neuen Wind durch aktive Studierende, die sich voll und ganz mit der Hochschule identifizieren?

Pluspunkte im Lebenslauf mögen vielleicht ein Anreiz für die Ausübung eines Ehrenamtes sein. Der ein oder andere Student wird aber überrascht sein, was man bei der Mitarbeit in einer Initiative alles über sich, Projektmanagement und vieles mehr lernen kann. Oftmals bieten sich auch viele Beispiele, um sein theoretisches Wissen aus dem Studienfach in der Praxis anzuwenden. So kann eine Herzensangelegenheit sogar karrierefördernd sein. Die Studienzeit muß also nicht als reine Wissensvermittlung verpuffen,  sondern bietet auch Raum,  um Leidenschaft für eine Tätigkeit  zu wecken und jeden Studenten für seine soziale Verantwortung zu sensibilisieren.

 

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