Benimmkurs fürs Business Lunch

Frisch von der Uni, super Job geangelt aber dann gerade so durchs Geschäftsessen im Nobelrestaurant geschlittert. Das muß nicht sein. In England vermitteln renommierte Unis auch Benimmregeln…

Schon ziemlich schnell nach dem Einstieg ins Berufsleben stellen junge Absolventen fest, dass ihr Fachwissen alleine doch nicht reicht für eine steile Karriere.  Die hohe Bedeutung von Soft Skills rückt in den Mittelpunkt. Wer die eigenen Sozialkompetenzen an der Uni als Student noch nicht alt so ernst genommen hat, stolpert im täglichen Arbeitsleben insbesondere als dynamische junge Nachwuchsführungskraft schnell ins Fettnäpfchen. Denn neben der Arbeit im Team steht vor allem auch häufig ein Business Lunch mit dem Chef oder anderen wichtigen Geschäftspartnern auf der Agenda. Um sich auf eine angeregte Unterhaltung ggf. sogar in einer Fremdsprache konzentrieren zu können, muß dass kleine Einmal Eins der Benimmetikette einfach sitzen. Wer nicht weiß, wie man mit dem eingedeckten Besteck umgeht, welches das Wasser- und welches das Weinglas ist oder ab wann das Brot freigegeben ist , ob es abgebissen oder abgebrochen wird und vieles mehr, der kommt schnell ins Schwitzen. Schlimmer noch, in der Außenwirkung wird man ggf. auch als fachlich inkompetent wahrgenommen.

Benimmregeln sind also regelrechte soziale Minenfelder. Wer nicht in dementsprechender Umgebung aufgewachsen ist oder kein Coaching erfahren hat, der tritt schnell daneben. Um diese unangenehme Erfahrung den zukünftigen Absolventen zu ersparen, beginnen viele Universitäten damit, spezielle Kurse anzubieten. Das Unterrichtsthema: Wein, Besteck und Serviette, ein wenig Konversation und der Dresscode. In England sind an renommierten Hochschulen wie Oxford oder Cambridge Benimm-Kurse schon längst Teil der Ausbildung. Regelmäßig finden dort sogenannte Formal Halls statt, also Abendessen in gehobener Atmosphäre. Derartige Angebote fehlen in Deutschland bisher.  Auch wenn Soft Skills als Begriff in aller Munde sind, werden Studierenden hierzulande nur langsam auch Soft Skills antrainiert. Für viele ist der Begriff weiterhin eine unbeschriebene Blackbox mit viel Interpretationsspielraum. Ein erster Lichtblick in Deutschland ist derzeit die Fachhochschule Aschaffenburg.  Wer hier studiert, kann in besonderen Kursen seiner  Etikette den nötigen letzten Schliff verpassen. Unter anderem wird man auf die gängigen Dresscodes Black Tie, Smart Casual und Business abgepasst neu eingekleidet. Es werden Tischregeln erklärt und anschließend eine Business Lunch Realsituation durchgespielt: mit echten Vorstandsmitgliedern und Politikern am Tisch wird Smalltalk und der richtige Griff ans Weinglas trainiert (der übrigens immer am Stiel erfolgt!).

Und das Fazit? Alles gar nicht so schlimm. Mit ein wenig Vorübung kann man auch als Newcomer auf dem gesellschaftlichen Parkett leicht glänzen -– es ist schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen!