Geld verdienen mit Schlangestehen

Nebenjobs als Ansteher sind in den USA bei Studenten sehr beliebt. Sie werden über eine Agentur vermittelt und stellen sich vor allem für Lobbyisten und Anwälte  zur Teilnahme an Kongresssitzungen an. Bis zu zwölf Stunden vor  der relevanten Sitzung bildet sich bereits die erste Schlange. Vor allem, wenn wichtige Entschlüsse gefaßt werden sollen und demzufolge ein hohes Presseaufgebot zu erwarten ist, wollen besonders viele Lobbyisten teilnehmen. Diese erscheinen jedoch oftmals erst kurz vor Sitzungsbeginn und erlösen dann ihre stellvertretenden Linestander von ihrer Aufgabe. Die Ansteher haben keine großartigen Aufgaben zu leisten. Sie müssen einfach nur pünktlich erscheinen und sich möglichst weit vorne in die Schlange einreihen und das für 12 US$ pro Stunde. Während der Wartezeit von oftmals über 7 Stunden dürfen sie alles tun – nur Hinsetzen ist nicht gestattet.  Die Studierenden nutzen die Zeit zum Lernen, lesen oder Musik hören und tauschen sich mit anderen Linestandern aus, wie Beine und Füße die nächsten Stunden möglichst schmerzfrei überstehen könnten. So dröge der Job auch erscheinen mag – viele Studierende haben sich danach für einen Karriereweg Richtung Lobbying oder Politik entschieden, um endlich selbst an den Kongress-Sitzungen teilnehmen zu können statt nur Platzhalter in der Schlange zu spielen.
Während sich Kommilitonen in Deutschland schon über gelegentliches Kaffeekochen und Kopierarbeiten aufregen, erscheinen US-Studierende deutlich flexibler, wenn‘s ums Geldverdienen geht. Selbst fürs Schlangestehen sind sie sich nicht zu schade.