Studie: Auswahlkriterien der Junior Consultants

In großen Beratungsfirmen ist klar, was die Personaler vom Anwärter wollen: Wissen, Charme, Trittsicherheit. Aber was will eigentlich der angehende Junior Berater?

McKinsey, Boston Consulting, Roland Berger  & Co. – sie alle wollen nur die Besten. Die sollen einen top Uniabschluss vorweisen, am besten von den Privathochschulen oder den BWL Hochburgen Mannheim, Köln und München. Sie sollen Talent für Smalltalk und das gesellschaftliche Parkett vorweisen, Profis in Vorträgen ebenso wie in Verhandlungen sein. Und die Jugend trainiert darauf, den Alten zu gefallen, die sich doch am Ende in ihnen wiedererkennen wollen: Persönlichkeit wird das dann genannt.

Was aber will der Junior von seiner Firma? Eine neue Studie des Karriereportal Squeaker.net hat genau das untersucht und ist zu interessanten Erkenntnissen gelangt.  So ist der Durchschnitt der ca. 26 Jahre alten Befragten zu allererst an der klassischen Strategieberatung interessiert. Erst dahinter landeten die Tätigkeitsfelder Corporate Finance (Unternehmensfinanzierung), Inhouse (interne Beratung in Großkonzernen), IT-Beratung sowie Human Resources (Personalwesen). Zweite Erkenntnis: Die großen und die kleineren Wettbewerber sind jungen Akademikern, die sich für eine Beraterkarriere interessieren, wohlvertraut.  Allerdings stimmen – dritte Erkenntnis – Bekanntheit und Zugkraft als Arbeitgeber nicht überein. Spitzenreiter bei der Attraktivität ist Boston Consulting vor McKinsey. Auf Rang drei schob sich Booz & Company, bei der reinen Bekanntheit nicht unter den Top Ten. Ähnlich schaffte es Oliver Wyman auf Rang fünf, lag aber bei der Bekanntheit nur auf dem 13. Platz. Um mehrere Ränge rutschten auch die drei großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften nach unten.

Fazit:  Unbekannte Strategieberatung schlägt offenbar bekannte Wirtschaftsprüfer – das kommt besonders daher, dass manche Beratungen zwar einen guten Ruf als Arbeitgeber haben, aber noch daran arbeiten müssen, dass potentielle Bewerber sie überhaupt kennenlernen.

Die Studienteilnehmer wurden weiterhin über ihre Kriterien bei der Auswahl gefragt. Es dominieren “Kollegen”, “Unternehmenskultur” und “intellektuell stimulierendes Arbeiten”, wichtiger ist jedoch anscheinend die Gehaltsentwicklung: schon Berufsstarter können Einkommen weit oberhalb von 60.000 Euro kassieren, danach setzen jedoch unterschiedlich große Sprünge ein. Reisen scheint weiterhin kein Ausschlusskriterium für den Junior zu sein, die Möglichkeiten für Teilzeitarbeit landeten auf dem letzten Platz, immerhin schafft es die Work-Life-Balance auf einen haarscharfen siebten Platz.

Verblüffend in der Umfrage: Unter den Top-Kriterien bei der Arbeitgeberwahl landen die Karrierechancen nach dem Ausscheiden. Schon bevor sie überhaupt eingestiegen sind, denken angehende Junior Consultants also über ihren späteren Ausstieg nach. Unternehmensberatungen haben einen Ruf als Durchlauferhitzer; auf dem Weg an die Spitze wird stark gesiebt, “up or out” gilt als gusseiserne Branchenregel.

Trotz der hohen Investitionen in eine gute Employer Brand, bleiben den renommierten Beratungen ihre gerade frisch ausgewählten Associates und Junior Consultants  doch nur vergleichsweise  kurz erhalten.  Es sei denn, es locken größere Gehaltssprünge als anderswo realisierbar.