Studieren in Deutschland, Arbeiten lieber im Ausland

In Deutschland zu studieren, finden mehr Studierende attraktiv als aufgrund der anhaltenden Kritik an der Umstellung auf das Bachelor-Master-System vermutet. Die Krux liegt wohl eher darin, auch nach dem Studium für Absolventen attraktiv zu bleiben, wie eine Studie zeigt…

Entgegen der häufig massiven Kritik am so genannten ‘Studienstandort Deutschland‘, zeigt eine neue Studie des Allensbach-Institut im Auftrag des Reemtsma Begabtenförderungswerks (BFW), dass der Großteil der Studenten mit ihrem Studium sehr zufrieden ist: 63% finden die Bedingungen um ihr Studium herum gut, 13% sogar sehr gut. Stipendiaten und Promotionsanwärter sind sogar noch zufriedener, mit 82% und 85% sind sie die zufriedensten Studierenden.

Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass diese zukünftigen Fachkräfte mit großer Wahrscheinlichkeit fahnenflüchtig werden. 64% der Studenten können sich einen Arbeitsplatz im Ausland vorstellen, die Quote steigt weiter, je höher der angestrebte Abschluss ist. Gründe hierfür sind besser Gehaltsaussichten, schnellere Aufstiegsmöglichkeiten und generell bessere Karriereaussichten. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist dies ein alarmierendes Ergebnis einer Hochschulpolitik, in der Studenten schon lange neue, verbesserte Bedingungen fordern: jeder vierte würde spontan die Studiengebühren abschaffen, 59% der Studenten hätte lieber eine zentral organisierte Hochschulpolitik. Auch von der Stipendien-Politik sind die Studierenden eher enttäuscht. Die meisten setzen lieber weiterhin auf die Unterstützung der Eltern und Nebenjobs soweit dies mit dem Studium vereinbar ist. Auch, wenn die Studenten derzeit recht zufrieden sind und sich trotz geringer Aussicht auf BaföG und Zahlung von Studiengebühren nicht abschrecken lassen, gibt es also noch eine Menge zu tun in der Hochschulpolitik und vor allem im Wirtschaftsstandort Deutschland: Fachkräfte sollten besser und früher gebunden werden. Die Bedingungen unter denen man als Absolvent als Fachkraft akzeptiert wird, könnte klarer sein; der Weg dahin besser geebnet. Das Ausland wird jedoch auch weiterhin immer attraktiv bleiben, zumindest als eine Zwischenetappe auf dem Weg zur Konzern-Karriere.