Was macht eigentlich ein Vorstand

Viele Dinge unseres Lebens kann, ja soll man geradezu lernen: fürs Autofahren etwa gibt es den Führerschein, für den Hochschulzugang das Abitur, und fürs Jagen den Jagdschein. Doch welche Ausbildung braucht eigentlich ein Vorstand, was genau muss man für diesen Traumjob können – und wie genau sieht der Tagesablauf aus? Eine Doktorarbeit an der HHL hat dies nun genauestens untersucht…

Das Ziel der Dissertation von Emilio Matthaei („The Nature of Executive Work“, Gabler, Wiesbaden: 2010) war es herauszufinden, wie die Managerausbildung optimiert werden könnte. Matthaei hat empirisch untersucht, welchen Tätigkeiten Vorstände von Unternehmen mit durchschnittlich deutlich über 100.000 Mitarbeitern nachgehen, wo sie arbeiten und mit wem gemeinsam sie  ihre Aufgaben bewältigen.

Das Ergebnis: mehr als 65 Wochenstunden Einsatz für den Job, durchschnittlich fünf Termine pro Arbeitstag,  permanenter Wochenendeinsatz. Allerdings wird 40 % der Zeit außerhalb der Räume des Unternehmens eingesetzt – ein Vorstand ist also selten im Unternehmen selbst. Und: fast zwei Drittel der Arbeitszeit arbeiten Vorstände nicht alleine, sondern in Meetings oder Teamsitzungen, also mit anderen. Die erforderliche physische Präsenz vor Ort bringt ein hohes Maß an Reisetätigkeit mit sich. Und: ein Vorstand muss ständig zwischen unterschiedlichen „Hüten“, also unterschiedlichen Rollenerwartungen seitens der Umwelt hin- und herschalten. Insgesamt bringt die Dissertation Licht in das Vorstandsleben: ein äußerst harter, aber auch sehr abwechslungsreicher Job, der nichts für „Eigenbrötler“ ist.