Soft Skills für Mediziner

Allein beim Gedanken, einem Patienten die Diagnose einer schweren Krankheit vermitteln zu müssen, wird es vielen Medizin-Studierenden schon mulmig. Denn im Studium kommt man mit dem kommunikativen, psychologischen Teil des Ärztealltags nur wenig in Kontakt. Absolventen kennen sich zwar bestens aus mit möglichen Therapieformen, den Nebenwirkungen von Medikamenten und vielem mehr, doch neben all dem Fachwissen zählt eben auch die menschliche Seite sehr stark. Schichtenstress hin oder her. Um nun zu lernen, wie man einen Patienten angemessen begleitet, gibt es an der Goethe-Universität in Frankfurt das Projekt „Lebenslanges Lernen im Kontext lebensbedrohlicher Erkrankungen“( http://www.uni-frankfurt.de/fb/fb04/we5/index.html). Ein Teilbereich des Projekts ist ein E-Learning-Kurs für Mediziner: Studenten können hier in drei Modulen am Beispiel von Brustkrebs oder Herzinfarkt lernen, was die Diagnose für den Patienten bedeutet, welche Folgen sich für ihn ergeben und wie am besten damit umgegangen werden kann – als Team. Zugänglich ist der Kurs gebührenfrei für alle unter www.biographie-krankheit-lernen.de

Besagter E-Learningkurs aber streut unbeabsichtigt Salz in die Wunde der medizinischen Fakultäten: das Studium der Humanmedizin ist zu theoretisch, verschult und unflexibel. Praktische Ansätze fehlen auf großen Strecken, Absolventen fühlen sich unzureichend vorbereitet auf ihr Berufsleben. Eine Reform ist jedoch nicht in Sicht, da der Studienrahmen durch das Bundesgesundheitsministerium fest vorgegeben ist. Nur in Modellstudiengängen wird derzeit mehr geboten als reine e-Tutorials. Hier können Lern- und Lehrmethoden mit starkem Praxisbezug erprobt werden. Die Charité in Berlin hat z.B. genau so ein Pilotprojekt schon länger im Programm: hier soll das ärztliche Denken von Anfang an im Mittelpunkt stehen, statt auswendig lernen, heißt es Patientenkontakte pflegen. Auch werden Lerngebiete wie das menschliche Herz in einem Modul zusammen gefasst und nicht immer wieder aus verschiedenen Fachrichtungen über Jahre beleuchtet.

Tiefgreifende Veränderungen, wie z.B. die Aufteilung in Bachelor und Master, werden jedoch vorerst nicht vorgenommen. Gerade letzteres könnte jedoch jedem, der sich während des Studiums gegen das Praktizieren als Arzt entscheidet oder einfach an den Prüfungen scheitert, einen Berufsweg öffnen. Sie bekommen so die Chance, mit einem Bachelorabschluss im Gesundheitswesen zu arbeiten.

Zumindest kleine Schritte werden jetzt unternommen, um aus Medizin-Studenten gute, einfühlsame Ärzte ohne Scheu vor Patienten zu machen. Eine grundlegende Reform lässt jedoch weiter auf sich warten.