Student in Leuven

Studieren an einer international anerkannten Hochschule? Ja, bitte! An einer katholischen Hochschule? Ach, nein, lieber nicht… So oder ähnlich dürfte es in den Köpfen der meisten Studenten zugehen, die zum ersten Mal von der „Katholieke Universiteit Leuven“, also der „Katholischen Universität Leuven“ hören. Zu Unrecht, wissen die wenigen deutschen Studenten…

Wer Leuven beschreiben sollte, der würde vermutlich als erstes den Humanisten Erasmus von Rotterdam anführen. Danach kommt eine lange Pause. Und dann nichts mehr. Auf die Frage, ob dort denn auch eine Universität erwähnenswert sei, würde vermutlich Achselzucken folgen – jedenfalls in Deutschland. Global gesehen würden zahlreiche Studentenaugen aufleuchten und die Katholische Universität Leuven nennen, die mit 37.000 Studenten die größte Belgiens und eine der besten im weltweiten Ranking ist. In Deutschland ist sie jedoch kaum bekannt – ein Großteil der ausländischen Studierenden kommt aus China, insgesamt machen die Fremdstudenten 12% der Universität aus: unter ihnen lediglich knapp 200 Deutsche.

Dabei ist die Universität Leuven bekannt für eine sehr unbürokratische Verwaltung und die lange gepflegte humanistische Tradition. Die Seminare werden in auf Französisch, Flämisch, Deutsch und Englisch angeboten, die Nähe zur EU-Hauptstadt Brüssel bringt noch mehr internationales Flair. 97% der Doktorarbeiten werde auf Englisch verfasst, ein gutes Zeichen in einer globalen Gesellschaft. Die Spaltung der Universität in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts macht die Geschichte der 1425 gegründeten Alma Mater nur noch spannender: seit 1968 gibt es zwei Universitäten in Leuven – eine flämischsprachige und eine, in der französisch gesprochen wird. Um letztere herum wurde sogar extra eine Stadt entworfen.

Die Studenten im ursprünglichen Leuven allerdings benötigen die Zwillingsstadt Louvain-la-neuve im wallonischen Teil Belgiens für ihr Amüsement nicht im Mindesten. Die Stadt Erasmus von Rotterdams hat bei weitem genug für den müden Akademikerkopf und die konfuse Humanistenseele zu bieten: am Alten Markt locken Restaurants und Bars Tür an Tür, liebevoll nennt der Leuvener dieses Areal „die längste Theke an sich“. Und obwohl die Lebenshaltungskosten in Belgien höher sind als in Deutschland, feiern jedes Wochenende unzählige internationale Studenten ihre kleine Universitätsstadt. Da haben sie die Bars nämlich für sich, der Belgier fährt am Wochenende heim zur Familie. Glücklich, wer in Leuven ist: hier wird es sicher niemals langweilig.