Studienfinanzierung durch Alumni

Studierende können sich nicht nur von Banken finanzieren lassen, sondern auch von Alumni ihrer Hochschule. Das Prinzip ist ganz ähnlich wie beim Bildungsfonds. Ein spannendes Modell für Studierende wie Alumni…

Vor allem die Ausbildungskosten an privaten Hochschulen, etwa für ein MBA-Studium, sind extrem hoch. Die Studiengebühren lassen sich hier mit Nebenjobs kaum erwirtschaften. Dennoch lohnt sich der hohe finanzielle Aufwand, denn ein Abschluss an einer der angesagten Top Universitäten ist ein fast sicheres Ticket für eine steile Karriere. Wer nun aber nicht über Eltern verfügt, die das notwendige Geld für die hohen Studiengebühren vorschießen können, steht vor einer gewaltigen Hürde. Oftmals bleibt nur der klassische Studienkredit. Die übliche Kreditvergabe der Banken bietet für Studenten jedoch äußerst ungünstige Voraussetzungen. Sie bemisst sich an der wirtschaftlichen Situation des Kreditnehmers in der Vergangenheit. Junge Studierende mit wenig bis gar keiner Berufserfahrung haben in aller Regel nur geringe Einkünfte vorzuweisen, was selten für die Bewilligung einer größeren Kreditsumme reicht. Die Rezession hat die Banken noch vorsichtiger gemacht.

Zwei Absolventen der renommierten Londoner Business School beschreiten nun neue Wege und haben einen Alumni-Fonds aufgelegt, der Studierenden bei der Finanzierung ihres Studiums unterstützt. Die Gelder des Fonds stammen von ehemaligen Hochschulabsolventen.  Diese beteiligen sich nach dem erfolgreichen Karrierestart an der Finanzierung der Ausbildung zukünftiger Studentengenerationen und bekommen ihre Investition auch noch verzinst zurückgezahlt. Bisher engagierten sich solche Alumni allenfalls mittels Spenden an ihrer ehemaligen Hochschule. Durch die Wirtschaftskrise hat dies jedoch stark nachgelassen. Die  Kreditwürdigkeit eines Studenten wird beim Alumni Fonds von Prodigy Finance an seinem zukünftig zu erwartenden Einkommen bemessen, das in engem Zusammenhang mit seiner Ausbildung steht. Hinzu kommen die Ergebnisse bei Zulassungstests, die Nationalität des Bewerbers und sein ökonomisches Umfeld. Diese Faktoren bestimmen erfahrungsgemäß den zukünftigen Verdienst. Ist die Prognose für den Studenten in diesen Bereichen positiv, gilt der Studienkredit als hinreichend abgesichert.

Vorerst können sich jedoch nur Studierende der renommierten Wirtschaftshochschule INSEAD mit Hauptsitz in Paris von dem neuen Alumni-Fonds finanzieren lassen.  In Deutschland liegt dem EBS Alumni Bildungsfonds ein ähnliches Modell zugrunde. Dabei finanzieren die Alumni der EBS Universität für Wirtschaft und Recht solchen Studierenden, die sich das Studium an der EBS ansonsten nicht leisten könnten, die kompletten Studiengebühren. Im Gegenzug geben die so Geförderten nach dem erfolgreichen Berufsstart einen Prozentsatz ihres Einkommens an die EBS Alumni-Vereinigung zurück. Das Modell ähnelt also dem der seit zehn Jahren in Deutschland bekannten Bildungsfonds, bei denen die Rückzahlung (anders als bei Prodigy) rein vom zukünftigen Einkommen abhängt – nur, dass das Kapital eben nicht vom Kapitalmarkt stammt, sondern von der Alumni-Vereinigung. Theoretisch könnte die Alumni-Vereinigung (in Kooperation mit einer Bank) auch Kredite vergeben; an der EBS ist die einkommensabhängige Variante mit Bildungsfonds aber wesentlich beliebter.