Lerntechniken: Google, das ausgelagerte Gedächtnis

Wenn Informationen ständig zur Hand sind, verändert sich die Lernbereitschaft des Hirnes. Betsy Sparrow hat dies in ihrer Studie “Google Effects on Memory: Cognitive Consequences of having Information at our fingertips.” nun bewiesen: wir lernen immer mehr, nicht zu lernen.  Längst glauben viele, dass Menschen zunehmend von dem Wissen und den Informationen abhängig sind, die man im Internet findet. Frei nach dem Motto: “Ich muss nicht alles wissen. Ich muss nur wissen, wo es steht.” Innerhalb ihrer Studie wurde anhand verschiedener Experimentalsituationen bewiesen, dass unser Gehirn vor allem eines ist: faul.

Die  Psychologie Professorin Sparrow und ihr Forscherteam haben hierzu vier verschiedene Experimente mit Probanden durchgeführt: In einem der Experimente forderten die Forscher insgesamt 106 Harvard-Studenten auf, Bagatellwissen am Computer mit “richtig” oder “falsch” zu kennzeichnen. Dazu zählte etwa die Aussage: “Das Ei eines Straußes ist größer als sein Gehirn.“ Danach erschienen auf dem Bildschirm verschiedenfarbige Wörter, deren Farbe die Probanden benennen sollten. Hatten diese Wörter etwas mit dem Internet zu tun – etwa “Google” oder “Yahoo” – antworteten die Testpersonen langsamer.

Anschließend wurde die Gruppe geteilt und aufgefordert, ebenjenes Bagatellwissen in den Computer zu tippen, der einen Hälfte wurde gesagt, die Informationen würden gelöscht werden, der anderen, dass alle Informationen gespeichert werden. Erstaunlich: die erste Gruppe konnte sich die Inhalte weit besser merken – unter Stress scheint das Hirn doch einzuspringen, mit der Rückversicherung des Speicherns aber waren die Probanden nicht fähig, die Inhalte zu reproduzieren.

Nun ist das Verfahren, etwas zu googlen, wenn man es nicht weiß, im Grunde nichts Neues. Der Mensch nutzte schon vor Google andere Personen als eine Art ausgelagertes Gedächtnis: irgendwer hatte immer mehr Fachwissen als man selber und der konnte gefragt werden. Dieser Effekt wird Verzeichniswissen genannt und lässt sich auch auf Google & Co. übertragen: ich muss nicht alles wissen, ich muss nur wissen, wer es weiß.

Zweifelsohne verändert das die Lernmethoden heutzutage – etwas Schlechtes muss das aber nicht sein. Wer weiß, wo er suchen muss, findet die Antwort schließlich trotzdem.